
Die Verpackungsbranche befindet sich in einem Spannungsfeld, das größer kaum sein könnte: steigender Verpackungsbedarf auf der einen Seite, regulatorischer Druck, Nachhaltigkeitsanforderungen und schnelle technologische Veränderungen auf der anderen. Gespräche und Vorträge auf dem diesjährigen Deutschen Verpackungskongress haben genau diese Gegensätze aufgezeigt und thematisiert – wo die Branche aktuell wirklich steht.
Die neue Rechtslage: PPWR und VerpackDG als Weichensteller
Ab August 2026 tritt die neue EU-Verpackungsverordnung (PPWR) in Kraft und ersetzt die bisherige Richtlinie durch ein einheitliches Regelwerk für alle Mitgliedstaaten. Ziel ist es, bis 2030 ausschließlich recyclingfähige oder wiederverwendbare Verpackungen zuzulassen. Die Verordnung bringt strenge Vorgaben für Design, Materialeinsatz, Kennzeichnung und eine erweiterte Herstellerverantwortung mit sich. Unternehmen müssen jetzt handeln und ihre Verpackungsstrategien entsprechend anpassen.
In Deutschland erfolgt die Umsetzung über das neue Verpackungsdurchführungsgesetz (VerpackDG). Bestehende Strukturen, wie das duale System werden beibehalten, dafür aber neue Pflichten eingeführt – wie etwa:
- Zulassungsanforderungen für Herstellerverantwortungsorganisationen,
- eine breitere Finanzierung der Zentralen Stelle Verpackungsregister (ZSVR)
- höhere Recyclingquoten ab 2028
- Investitionspflichten in Abfallvermeidungsmaßnahmen
Beide Regelwerke markieren einen klaren Wandel hin zu mehr Kreislaufwirtschaft und nachhaltigen Verpackungsdesigns – mit spürbaren Auswirkungen für alle Akteure der Branche.
Entsprechend wenig überraschend zählte dieses Thema auch zu den zentralen Diskussionspunkten des Deutschen Verpackungskongresses 2026. Dazu verdeutlichte Dr. Markus W. Pauly am Beispiel des neuen Einwegkunststofffondsgesetzes, dass die Umsetzung der PPWR derzeit eher zu zusätzlicher Komplexität und rechtlicher Unsicherheit führt – und damit dem eigentlichen Ziel einer effizienten und bürokratiearmen Umsetzung entgegenläuft.
Verpackungsbedarf wächst – Die Frage nach der besten Ressource bleibt
Trotz ambitionierter Reduktionsziele steigt der Verpackungsbedarf weiter an – maßgeblich getrieben durch karton‑ und papierbasierte Lösungen, die insbesondere im Foodservice‑Bereich stark wachsen. Vor diesem Hintergrund widmeten sich mehrere Vorträge intensiv der Frage nach einer langfristig nachhaltigen Rohstoffbasis.
Frischfaser vs. Recycling: Für kartonbasierte Verpackungen werden heute sehr hohe Recyclingquoten ausgewiesen, die jenen von Kunststoffen deutlich übertreffen. Gleichzeitig wurde darauf verwiesen, dass Kartonfasern über ihren Lebenszyklus hinweg mehr Kohlenstoff speichern können, als sie verursachen. Parallel dazu verfolgen einige Hersteller das ambitionierte Ziel, ihre Produktion in den kommenden Jahren vollständig von fossilen Energieträgern zu entkoppeln.
Alternative Fasern: Auf dem Verpackungskongress wurden zudem Ansätze mit regionalen, nachwachsenden Faserstoffen vorgestellt. Als besonders vielversprechend gelten dabei Strohfasern, da sie kurze Transportwege, schnelle Verfügbarkeit und eine hohes Potenzial zur technischen Weiterentwicklung vereinen.
Der Tenor: Es gibt nicht die eine richtige Lösung, sondern unterschiedliche Materialstrategien – abhängig vom Produkt, der Region und den jeweiligen Marktanforderungen.
WWF‑Perspektive 2045: Weniger Materialeinsatz, mehr Effizienz
Der WWF rechnet bis 2045 mit einem Rückgang von Verpackungsmengen und Primärmaterialeinsatz. Gleichzeitig könnte der Flächenbedarf jedoch steigen – verursacht durch biobasierte Kunststoffe. Der Energiebedarf lässt sich insofern verringern, wenn fossile Rohstoffe durch alternative Materialien ersetzt werden, während der Wasserverbrauch voraussichtlich auf einem stabilen Niveau bleibt. Entscheidend ist jedoch: Ein reiner Materialwechsel genügt nicht. Stärkere Hebel sind die Reduktion des Verpackungsaufkommens, die gezielte Nutzung von Reststoffen und Nebenprodukten, eine konsequente Kreislaufführung sowie ein höherer Rezyklateinsatz. Nachhaltigkeit erfordert damit vor allem eine systemische Steuerung und praxistaugliche Umsetzungsstrategien anstatt isolierter Materialentscheidungen.
Innovationskraft statt kurzfristiger Optimierung
In seinem Vortrag „Erfolgsfaktor Innovationskraft“ unterstrich Prof. Dr. Christoph Burmann die zentrale Bedeutung von Innovations für nachhaltigen Unternehmenserfolg. Innovationskraft ist ein wesentlicher Treiber für Umsatzwachstum, sichert Marktanteile, stärkt Mitarbeiterbindung und erhöht die Weiterempfehlungsbereitschaft. Unternehmen, die ihren Fokus zu stark auf kurzfristige Effekte wie Aktienrückkäufe oder reines Performance Marketing legen, „leeren den emotionalen Bankaccount ihrer Marke“. Solche Strategien schwächen langfristig die Markenidentität und Innovationsfähigkeit. Gerade in der Verpackungsbranche wird dies besonders deutlich: ein einseitiger Vertriebsfokus ohne ausreichend Raum für Innovation untergräbt auf Dauer Wettbewerbsfähigkeit und Differenzierung. Der Universitätsprofessor empfiehlt daher eine identitätsbasierte Markenführung, die auf langfristiges Denken, klare Werte und kontinuierliche Investitionen in Forschung und Entwicklung setzt. Nur so lassen sich Marken nachhaltig stärken und zukunftsfähig positionieren. Sein Fazit ist ein klarer Appell an Entscheiderinnen und Entscheider: den Blick für das Wesentliche zu schärfen und den langfristigen Wert von Innovationskraft und Markenidentität nicht kurzfristigen Effekten zu opfern.
KI in der Verpackungsbranche
Auch Künstliche Intelligenz war ein zentrales Thema auf dem Deutschen Verpackungskongress 2026. Dabei wurde eine breite Spannweite an Anwendungsfällen sichtbar - von eher allgemeinen Einsatzszenarien in administrativen Bereichen bis hin zu hochgradig branchenspezifischen Anwendungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Dazu zählen insbesondere Prozessautomatisierung sowie eine datenbasierte Optimierung von Verpackungsdesigns mit direktem Einfluss auf die Verkaufszahlen. Zwar sind erste KI-Anwendungen bereits im Einsatz, doch das Potenzial ist bei weitem noch nicht ausgeschöpft. In den kommenden Jahren ist mit deutlich mehr praxisnahen, integrierten KI-Anwendungen in der Druck- und Verpackungsindustrie zu rechnen – sowohl im operativen Tagesgeschäft als auch in der strategischen Markenführung, etwa in spezialisierten Branchenlösungen wie COSMO Print and Packaging.
Fazit
Die Verpackungsbranche steht nicht vor einem einzelnen Umbruch, sondern vor mehreren gleichzeitig: Regulierung, Rohstoffe, verändertes Konsumverhalten und technologische Entwicklungen greifen zunehmend ineinander. Entscheidend wird sein, diese Komplexität nicht nur zu bewältigen, sondern strategisch zu nutzen – mit klar definierten Prozessen, belastbaren Daten und echter Innovationskraft.
Ob erste KI‑Use‑Cases oder die gezielte Weiterentwicklung Ihrer Digitalisierungsstrategie – wir unterstützen Sie gerne.
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