ÖPNV

Betrugserkennung beim Deutschland-Ticket und da drunter erst die Digitale Fahrkartenkontrolle

Kölner Verkehrs-Betriebe AG

Wer heute ein Ticket für Bus oder Bahn kauft, möchte das schnell und unkompliziert erledigen – am besten mit wenigen Klicks auf dem Handy. Doch was für Kunden bequem ist, lockt auch Betrüger an. Die Kölner Verkehrs-Betriebe standen deshalb vor der Frage: Wie machen wir den digitalen Ticketkauf so sicher wie möglich, ohne den Kaufprozess für die Kunden zu beeinträchtigen? Eine neue, speziell für Verkehrsbetriebe entwickelte Sicherheitslösung soll schon bald für einen modernen Betrugsschutz sorgen – und Kunden von aufwendigen Kontrollverfahren verschonen. 

Der digitale Wandel vereinfacht Prozesse, senkt den Verwaltungsaufwand und die damit verbundenen Kosten. Andererseits stellt er viele Unternehmen vor neue Herausforderungen. Kaum eine Branche spürt das so deutlich wie der öffentliche Nahverkehr (ÖPNV). Bis zur COVID-19-Pandemie gab es Betrugsfälle fast ausschließlich im analogen Bereich. Die „Erschleichung von Beförderungsleistungen”, wie es im Polizeijargon heißt, betraf vor allem Schwarzfahren, Ticketfälschungen oder das mehrfache Verwenden benutzter Fahrscheine. Der Schaden blieb lokal und überschaubar – ärgerlich, aber beherrschbar. Das änderte sich mit dem Deutschlandticket, das 2023 deutschlandweit als digitaler Fahrausweis Premiere feierte. Plötzlich sah sich die Branche mit Betrügereien im dreistelligen Millionenbereich konfrontiert – zum Beispiel durch manipulierte Digitaltickets, Lastschriftbetrug oder gestohlene Kryptoschlüssel. 

Nächster Halt: Digitaler Ticketverkauf

Für die Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) war das ein neues Szenario. „Abos wurden bislang in Form von Chipkarten per Post an unsere Abonnenten verschickt“, erklärt Maik Bannasch vom Digitalen Absatzmarketing der KVB. „Die Postadresse war dabei eine Art Prüfinstanz“, ergänzt er. Chipkarten sind für Betrüger weniger interessant als digitale Tickets. Bei digitalen Tickets in Form von Barcodes entfällt der Versand per Post und damit die Adressprüfung. 

Die Tatsache, dass die regionalen Verkehrsunternehmen Verluste durch Betrug nicht ersetzt bekommen, erhöht den Druck, auf maximale Sicherheitsvorkehrungen zu achten. Nur: Eine passende Lösung hierfür fehlte zunächst. „Wir haben nach einem System gesucht, das einen starken Schutz bietet, leistungsstark und effizient ist, aber unsere Kunden nicht durch umständliche Sicherheitsbarrieren abschreckt“, betont Maik Bannasch.  

Das ist auch für den wirtschaftlichen Erfolg entscheidend. „Das Deutschlandticket ist ein hart umkämpfter Markt. Man kann es überall kaufen. Uns war klar, dass wir nur mit einem niedrigschwelligen Angebot die Menschen ansprechen können“, sagt Pia Emmighaus, Teamleitung Kundeninformation bei der KVB. 

Kleiner Markt mit wenig Auswahl

Ziel war es, die Kundinnen und Kunden im Kaufprozess nicht zu unterbrechen. Lösungen mit Online-Prüfverfahren, bei denen die Identität per Video oder per Bankverifizierung festgestellt wird, waren damit vom Tisch. Auch Ansätze, bei denen externe Dienstleister wie die Schufa in den Vertriebsprozess eingebunden werden, sah die KVB kritisch, denn diese würden die Kunden zeitweilig aus dem KVB-Portal führen.  

Um die Unterschiede der verschiedenen Lösungen zu verdeutlichen, fasste man die technischen Fakten in einer Entscheidungsmatrix zusammen. Wichtig war der KVB auch, dass die neue Lösung nur die wirklich notwendigen Daten erhebt und immer auf dem neuesten Stand ist, damit man auch auf künftige Bedrohungen schnell reagieren kann.  

Die Entscheidung für das geeignete Tool

Der Kontakt zu anderen Verkehrsunternehmen brachte für das Projekt am Ende den Durchbruch. Schließlich standen Verkehrsunternehmen in anderen Städten vor den gleichen Herausforderungen. Besonders gut gefiel der KVB ein Projekt, an dem die Leipziger Verkehrsbetriebe gemeinsam mit dem Digitalisierungsspezialisten COSMO CONSULT arbeiteten.  

Heute sind die Funktionen und Prozesse dieses Projekts im Sicherheitssystem COSMO Fraud Detection gebündelt. „Technisch erfüllt die Lösung unsere Anforderungen“, begründet Bannasch die Produktauswahl. „Werden irgendwo in Deutschland neue Betrugsszenarien bekannt, erfolgt umgehend ein Update, das uns davor schützt“, erklärt er. Doch entscheidend war, dass die Kunden der KVB von dem Sicherheitscheck so gut wie nichts mitbekommen. Es gibt weder umständliche Authentifizierungsverfahren noch Umleitungen zu externen Seiten.  

Zudem war für ihn wichtig, dass sich COSMO Fraud Detection um das Device Fingerprinting ergänzen lässt. Dabei werden verschiedene Merkmale wie Metadaten, Bildschirmauflösung oder die ID des Grafikprozessors zu einem digitalen Fingerabdruck kombiniert. So lässt sich jedes Gerät eindeutig zuordnen. Werden mit einem Fingerabdruck massenhaft Käufe getätigt, fällt das sofort auf, und das Sicherheitssystem schlägt Alarm.  

Schnelle Integration

Bis zur Implementierung musste die KVB allerdings noch den Projektabschluss in Leipzig abwarten, da COSMO Fraud Detection erst danach auf den Markt kam. Die technische Integration des neuen Sicherheitssystems war dafür in knapp zwei Wochen erledigt. „Wir bekamen eine gute Schnittstellendokumentation. Dadurch ließ sich die Software schnell anbinden,” erklärt Maik Bannasch. Zudem gab es kaum zusätzliche Spezialanforderungen. Der Betrugsschutz musste praktisch nur auf das Systemumfeld der KVB konfiguriert werden. „Branchenlösungen wie COSMO Fraud Detection sind ein echter Vorteil, denn sie sind bereits sehr genau auf unsere Anforderungen zugeschnitten. Davon haben wir bei der Implementierung eindeutig profitiert“, bestätigt Maik Bannasch.  

Blickpunkt Datenschutz

Eine große Hürde vor der Einführung war der Datenschutz. „Beim digitalen Fingerabdruck rufen wir Informationen von allen Endgeräten ab“, sagt Pia Emmighaus. „Hierfür benötigen wir natürlich die Zustimmung unserer Kunden. Dafür waren rechtssichere Formulierungen abzustimmen“, so Emmighaus weiter. Dabei geht es nicht nur darum, dass Daten erhoben werden, sondern auch um die Art der Datenerhebung und die Dauer der Speicherung.  

Vollautomatisch geht es (noch) nicht

Inzwischen steht das digitale Abo in den Startlöchern: „Für unsere Kunden ist der Ablauf ganz einfach: einmalig mit Mailadresse und Passwort registrieren, AGB und Datenschutz bestätigen, Abo kaufen“, ergänzt Emmighaus.  

Dem Ziel „maximaler Schutz vor Kriminalität, ohne Barrieren für die Kunden“ ist die KVB mit COSMO Fraud Detection einen großen Schritt nähergekommen. Wie hoch der Arbeitsaufwand für das Team am Ende sein wird, kann Pia Emmighaus noch nicht abschließend einschätzen: „Wir prüfen jeden Fall, den die Software als möglichen Betrugsfall identifiziert, einzeln. Das bedeutet zusätzlichen Aufwand. Ist die Anzahl der Betrugsfälle hoch, müssen wir sehen, wie wir damit umgehen.“  

Dass etwaige Prüffälle direkt im Vertriebssystem auftauchen, mache das Verfahren für die KVB sehr komfortabel. Die Vorgänge fallen sofort auf und die KVB kann schnell reagieren.  

Schutz vor neuen Betrugsszenarien

Neue Sicherheitsfunktionen werden von COSMO CONSULT über ein schnelles Update automatisch eingespielt. So kann sich die KVB auf ein verlässliches Sicherheitsnetz stützen, das selbst vor solchen Risiken schützt, die es in Köln bislang noch nicht gab. Für Maik Bannasch ist die Sache klar: „Wir fühlen uns mit der Lösung von COSMO CONSULT in puncto Sicherheit gut vorbereitet und hoffen, damit neue Betrugsszenarien vorzubeugen.“ Für die KVB ist das Projekt ein wichtiger Schritt für einen kostengünstigen und sicheren Vertrieb digitaler Abos. 

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