Wann wird ein veraltetes NAV-System zur Management-Aufgabe?

Lesedauer: 
0 Minuten
Datum: 
21.09.2026
Von 
Holger Lange

Weltweit arbeiten Unternehmen erfolgreich mit Microsoft Dynamics NAV. Auch wenn es etwas in die Jahre gekommen ist, stellt es oftmals seit seiner Einführung das Kernsystem zur Abbildung der Geschäftsprozesse dar - und ist in vielen Fällen großzügig auf das Unternehmen angepasst worden. 

Doch das Umfeld, in dem Unternehmen agieren, ist durch neue regulatorische Anforderungen, Chancen und Erfordernisse des Marktes, sowie rasante technische Entwicklungen im stetigen Wandel. Das ERP-System als zentrale Anwendung im Unternehmen muss Schritt halten. Wann ist die Zeit gekommen, das System zu modernisieren und kontinuierlich aktuell zu halten? 

Die kürzlich entdeckte Sicherheitslücke CVE-2026-55944 ist nicht der einzige Anlass, diese Frage zu stellen, aber sicherlich der dringlichste. 

CVE-2026-55944: Warum alte Dynamics NAV-Systeme zur Management-Aufgabe werden

Der Betrieb eines aktuellen und cloudbasierten ERP-Systems wie Microsoft Business Central Online bietet echte Mehrwerte für Unternehmen: messbare Effizienzgewinne durch KI-Einsatz, durchgängige Digitalisierung der Geschäftsprozesse und ein Maß an Sicherheit, das auf eigenen Servern kaum erreichbar ist. 

Bei Betrieb eines alten Dynamics NAV-Systems fehlen dem Unternehmen die genannten Mehrwerte. Zugleich ergeben sich Aufwände, um die Umgebung um das veraltete Dynamics NAV herum abzusichern und potentielle Schäden fürs Unternehmen abzuwenden. Restrisiken bleiben. 

Denn während das ERP-System im Status-Quo verbleibt, entwickeln sich die Werkzeuge der Angreifer rasant weiter und erlauben das Entdecken und Ausnutzen von jahrelang unbemerkten Schwächen in der Software.  

Die aktuell bekannt gewordene Sicherheitslücke CVE-2026-55944 ist eine davon, und zwar eine besonders bemerkenswerte. 

Warum ist CVE-2026-55944 besonders?

Das „CVE“ steht für Common Vulnerabilities and Exposures, die folgenden Zahlen geben das Jahr der Registrierung und eine laufende Nummer wieder. Mit dieser Systematik lassen sich öffentlich dokumentierte Sicherheitslücken eindeutig identifizieren.  

Der zugehörige CVSS-Score (Common Vulnerability Scoring System) beschreibt den Schweregrad auf einer Skala von 0,0 (None) bis 10,0 (Critical).  

CVE-2026-55944 betrifft Microsoft Dynamics NAV 2018 und hat einen bemerkenswert hohen CVSS-Score von 9,8. Das entspricht der Einstufung Critical: Ein Angreifer könnte per Fernzugriff einen Schadcode ausführen, ohne sich anmelden zu müssen. 

Zwar ist nach aktuellem Kenntnisstand nur die Version Dynamics NAV 2018 betroffen, die Sicherheitslücke macht aber das Risiko deutlich, das mit dem Betrieb eines alten Dynamics NAV-Systems einher geht. Es lässt sich auf die weiteren beteiligten On-Premises-Systeme übertragen, auf SQL-Server, Windows-Server und weitere Komponenten. Eine Schwachstelle in einem dieser Systeme kann Auswirkungen auf den Geschäftsbetrieb weit über das eigentliche ERP-System hinaus haben. 

Gleichzeitig steigt die Eintrittswahrscheinlichkeit des Risikos in einer Zeit globaler Spannungen und von KI-Systemen, die scheinbar eigenmächtig Unternehmen angreifen: 82 Prozent der deutschen Unternehmen erwarten laut Bitkom (Wirtschaftsschutz 2025) für die kommenden zwölf Monate eine Zunahme der Cyberangriffe. 

Aber ansonsten läuft’s doch … oder?

Andere Grenzen eines Dynamics NAV-Altsystems sind unspektakulärer als ein digitaler Überfall, aber dennoch umso „nerviger“. Ein Beispiel ist die Notwendigkeit von Anpassungen an regulatorische Neuerungen wie geänderte Intrastat- und neue Bank-Formate wie auch die aktuelle Pflicht zur Einführung der E-Rechnung. 

Aber warum „nervig“? Im aktuellen Business Central Online liefern Microsoft und Partner für die Anwendung Aktualisierungen. Das Einspielen geschieht mit einem Mausklick. Für Dynamics NAV sind oftmals Code-Downgrades aus höheren Versionen notwendig. Im Worst Case ist eine Implementierung gar nicht mehr möglich, sodass ein ineffizienter Workaround neben dem System geschaffen wird. 

Ein weiteres Beispielszenario: Um betriebliche Anforderungen bedienen zu können, soll das  Dynamics NAV-System um ein Add-On ergänzt werden – sei es, um künftig Anzahlungspläne verwalten zu können, die Kollegen am Lager mit Handscannern auszustatten, oder um Lieferabrufe von Geschäftspartnern direkt ins ERP-System einzulesen.  

Dank der offenen Architektur von Dynamics NAV ist eine individuelle Implementierung oftmals noch möglich, aber – wie oben bereits dargestellt – regulär aufwändig und mit Blick auf die langfristige Wartbarkeit des Add-On unsicher. Schlimmstenfalls müssen die Verantwortlichen erwägen, auf die Erweiterung zu verzichten. Der Fortschritt wird ausgebremst, das Unternehmen kommt keinen Schritt weiter, die Benutzer bleiben bei ihrer Zettelwirtschaft. 

Jedenfalls darf es als Illusion betrachtet werden, dass ein Verbleiben auf dem vorhandenen System und die damit vermeintlich verbundene Ersparnis eine gute „Investition“ sind. Unabhängig vom verpassten KI-Einsatz, kritischen Sicherheitslücken und spektakulären Hackerangriffen. 

Wo anfangen? Vorschlag: vorne!

Die Migration auf Business Central Online birgt eine gewisse Komplexität. Sie geht auch nicht von heute auf morgen und will gut vorbereitet sein. Deshalb ist es wichtig, sich frühzeitig ein Bild von der eigenen Ausgangslage zu machen und nüchtern zu planen: 

  • Welche Aufwände muss ich einplanen, für Dienstleister, aber auch intern?
  • Welche Schritte sind in welcher Reihenfolge erforderlich und wie lange dauern sie?
  • Was kann ich selbst schon vorbereiten, und zwar noch lange vor dem offiziellen Projekt-Kick-off? 

Je früher diese Fragen beantwortet sind, desto eher können vorbereitende Schritte initiiert werden, und desto größer wird die Planungssicherheit. 

Das Cloud Innovation Assessment liefert Antworten!

Das Cloud Innovation Assessment beantwortet diese und viele damit verbundene Fragen. Im vergangenen Jahr hat COSMO CONSULT es 50-mal durchgeführt. 

Das Assessment zeichnet sich dadurch aus, dass es von operativ tätigen Consultants mit Erfahrung in Migrationsprojekten durchgeführt wird. 

Seine wesentlichen Inhalte bestehen darin, sowohl mit einem ganzheitlichen Blick auf die langfristige Digitalisierungsstrategie zu schauen als auch die Migration des ERP-Systems als zentralen Baustein konkret zu planen: Vorgehensmodell, Aufwände, Zeitrahmen, Arbeitsteilung. 

Fazit

Die Sicherheitslücke CVE-2026-55944 zeigt beispielhaft, welche Unsicherheiten mit dem Betrieb alter Dynamics NAV-Systeme verbunden sein können.  

Gleichzeitig machen regulatorische Anforderungen und betriebliche Herausforderungen deutlich, dass ein System nicht allein deshalb zukunftsfähig ist, nur weil es gerade noch so funktioniert. 

Und nicht zu vergessen: Eine Migration auf Business Central Online bietet Mehrwerte für den Geschäftsbetrieb und schafft die Grundlage für weitere Digitalisierung, Automatisierung und den Einsatz von KI. 

Wenn Sie herausfinden möchten, wie die Cloud Migration Ihres Unternehmens aussehen kann, finden Sie auf unserer Seite zur ERP Cloud Transformation weiterführende Informationen und konkrete Ansatzpunkte für die Planung Ihres Vorhabens.  

Machen Sie den ersten Schritt, um Planungssicherheit zu gewinnen. 

Nichts zu tun ist langfristig die teurere Option. 

Holger Lange

Kontakt unseres COSMOnauten

Von Holger Lange

Holger Lange ist Operations Manager in der COSMO CONSULT SE und verantwortet das Thema Move2SaaS als strategische Mission für die COSMO CONSULT Gruppe.

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